WITNESSING CORONA-REALMS

As the corona virus holds the world firmly in its grip, human life outside the digital realm has come to a halt. Yet inside the digital, the proliferation of meetings, but also concurring worldviews and explanations of an ungraspable phenomenon has reached new heights. Because of the social and cultural austerity we are experiencing, the significance and appreciation of life before corona has been altered, causing many of us to individually re-examine the values our future lives should be based on. People say “you don’t know what you’ve got until it’s gone”. Truth is, you knew what you had, you just never thought you’d lose it.

We would like to dedicate this section to you, dear readers, and your experience of a historically unique moment in time. So we would like to invite you to contribute! Send us your thoughts. You are free to choose the medium of expression – painting, text, images, sound, video… – that you are most comfortable with in order to express what you want to.

Our aim is to make visible the different lifeworlds and lived experiences that are constantly changing and challenged. We are aware that these experiences can diverge immensely. Not everyone has the means, the time and the privilege to reflect on the current situation. Nevertheless, we want to open up a space for discussion and shed a light on the multiplicity of lived experiences.

Last, but not least, we hope to exhibit your share here as a witness of the contemporary confluence of history that will hopefully enable the emergence of new potentials for a brighter future to come. In this sense: Thank you very much for caring and sharing

WHAT PEOPLE SAY

Corona aus Sicht einer Trauma-Betroffenen

 

Die durch Corona ausgelösten gesellschaftlichen Veränderungen waren für alle Menschen eine einschneidende Lebenserfahrung. Doch einmal mehr wurde mir deutlich, dass die individuelle Vergangenheit auch jeden Moment der Gegenwart färbt, und erst durch Beobachtungen meiner Mitmenschen in dieser Phase begriff ich, in welch unterschiedlichen
Welten wir uns vor Corona tagtäglich bewegt hatten.

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- Anonym

WHAT PEOPLE SAY

ARBEIT IM GESUNDHEITSAMT

 

Seit Mitte März arbeite ich in einem Gesundheitsamt als Unterstützung für das Krisenmanagement. Ich bin für zwei Postfächer zuständig, eines mit allgemeinen Anfragen an das Gesundheitsamt und das andere ist für Nachrichten einer Bürger*innen-Hotline, die wir anschließend telefonisch kontaktieren müssen. Das Gesundheitsamt liegt in einer Stadt, die Mitte März zu den Hotspots der Pandemie in Deutschland zählte. Nachdem ich diesen Job (sprichwörtlich) über Nacht angefangen habe, habe ich angefangen eine Art Tagebuch mit kurzen Notizen zu führen. Einerseits, um meine Gedanken sortieren zu können, andererseits, weil ich wusste, dass das, was ich dort erlebe, so neu und absurd ist, dass ich es festhalten wollte. Ich habe das Tagebuch für ungefähr sechs Wochen geführt und habe meine Gedanken ein wenig komprimiert und paraphrasiert zusammengefasst. Dabei handelt es sich um meine ganz persönliche Wahrnehmung und Erlebnisse.

 

 

 

Erste Woche:

Gestern das erste Mal mit dem Personalbüro telefoniert, heute den Vertrag unterschrieben. Und sofort einen Arbeitsplatz bekommen und angefangen. ABSURD! Ich hab‘ mir noch nicht mal was zu essen mitgenommen. Im Corona-Hotline-Postfach lagen ca. 400 E-Mails. Das sind alles Leute, die zurückgerufen werden wollen. Teilweise sind das Nachrichten von vor einer Woche, weil es niemanden gab, der oder die das bearbeiten konnte. Alle sind hier so krass überfordert…

Wenn ich die Menschen zurückrufe, weinen manche, weil sie so verzweifelt sind. Weil sie trotz Symptomen nirgendwo getestet werden können und sie Angst haben. Oder wissen wollen, wo ihre Testergebnisse bleiben. Oft werde ich beschimpft und angeschrien. Ein Anruf hat mich lange nicht losgelassen: Eine Person, die Vorerkrankungen hatte, wartete seit Tagen auf das Ergebnis, ohne dieses wollte der Hausarzt sie nicht untersuchen und behandeln. Der Zustand verschlechterte sich zunehmend. Auf meine Antwort, dass ich keinen Zugriff auf das Testergebnis hätte und ich raten würde bei einer weiteren Verschlechterung den Notruf zu verständigen, meinte die Person zu mir, dass ich dann verantwortlich wäre, wenn  „umsonst“ ein Intensivbett belegt werden würde, das eigentlich eine andere, viel kränkere Person, bräuchte. Ich träume jede Nacht von den Anrufen. Was soll ich den Menschen raten? Wir haben doch alle selbst keine Ahnung. Manchmal weine ich vor Erschöpfung.

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- Anonym

WHAT PEOPLE SAY

BETROFFENHEIT IN ZEITEN VON CORONA 

Ich arbeite seit eineinhalb Jahren bei einer niedrigschwelligen feministischen Krisenanlaufstelle. Seitdem die Pandemie angefangen hat, haben sich unsere Arbeitsbedingungen extrem verändert. Normalerweise ist die Anlaufstelle für die Nutzer*innen offen und viele Frauen in Krise kamen zu uns, u.a. um soziale Kontakte aufzubauen, da sie vereinsamt waren. Dadurch, dass wir seit der Pandemie nur noch telefonische Beratung anbieten können, sind viele Nutzer*innen in der Zeit von COVID-19 in eine noch akutere Krise geraten, da ihnen die soziale Teilhabe nun ganz verwehrt ist. Ich bin der Meinung, dass die soziale Isolation die Lage von Menschen, die neurodivers sind und generell nicht viele Kontakte haben, verschlechtern kann. Im öffentlichen Gesundheitsdiskurs wird diesem Punkt meines Erachtens nach zu wenig Beachtung gegeben.

Am Anfang von Corona haben wir in der Krisenanlaufstelle viele Anrufe von Nutzer*innen bekommen, die stark suizidal und verzweifelt waren, weil sie Angst hatten diese ganzen Veränderungen nicht zu überleben. Für Menschen mit Traumata und Problemen im Bereich der psychologischen Gesundheit, ist es meist sehr wichtig eine Routine zu haben, mit der sie ihren Alltag strukturieren können. Durch die Corona-Maßnahmen können viele nicht zur Arbeit gehen oder ihre Träger und soziale Betreuung fallen aus. Dies hat ihre Gesundheit stark beeinträchtigt. Andere Nutzer*innen haben ihre Jobs verloren oder sind auf Kurzarbeit umgestellt worden. Auch diese Situation kann starke Krisen verursachen.

[...]

- Anonym

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WHAT PEOPLE SAY

Equality in the shades of Covid-19 in Germany– a critical comment

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit (…). Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (…). Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (…) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ ― The German Constitution/Deutsches Grundgesetz, Art 2 and 3, 1949.

 

“All animals are equal, but some animals are more equal than others.” ― George Orwell, Animal Farm. A Fairy Story, 1945.

 

Early this year, just some weeks ago, in “pre-Covid times” as we call it now, the discussion about refugees at the European external borders dominated the German media landscape next to right-wing terrorism, especially after the attacks in Halle (October 9th, 2019) and Hanau (February 19th, 2020). Today these topics seem to be distant now, if not oblivious to some. I even caught myself being surprised by how recently these events had actually happened. A virus has replaced them now, Covid-19 has taken over. As we remember – at least at the moment, maybe in the final stages or perhaps also only at the beginning of the "real crisis” – 2020 will be the year of the virus, of social distancing and isolation, of economic collapse and a challenging of our democratic foundation. It is precisely this German democratic foundation, the Grundgesetz, that also celebrates its 70th anniversary this very year. It is not only the German constitution we commemorate 2020 but also the 75th anniversary of the liberation of the concentration camps and the end of the Second World War and the European catastrophe caused by former Nazi Germany. When we “celebrated” these birthdays, for the first time with a public holiday in Berlin on May 8, we remembered a dark chapter in German history that must never be repeated. A principle on which we have built the free and democratic state we are living in today. This year, however, the celebrations had been more private and publicly limited than we like them to be – the virus does not stick to holidays. Nevertheless, the principles of the Grundgesetz are more relevant than ever, as the lockdown reminds us what there is at a stake.

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-Julia Nina Baumann

is a social and cultural anthropologist currently living in Berlin, where she particularly enjoys the multitude of opinions and the freedom in lifestyles - a privilege, that is not simply granted, but for the maintenance of which every single one of us has do his*her bit.

Contact details: j.n.baumann@fu-berlin.de

WHAT PEOPLE SAY

Save Space in Times of Covid-19? 

Reflections on Security, Fear and Trauma 

Where are you safe?

In times of COVID-19 and Lockdown this question is taking on a new taste for everyone. Our ever-existing human vulnerability becomes present - its multimedia presence perhaps overwhelming. Living with the everyday awareness of how fragile our human lives and bodies, our societies, our realised dreams, our personal lives, the circumstances under which we are aiming to build our future are, becomes a challenging and intense task in many people’s lives these days.

So, in a time where some aspects of fear, vulnerability and safety are noticed and felt by a majority (to different levels and in different aspects), the discourse around what it means to (not) feel safe becomes central. This is an important moment as in the past it was mostly negotiated at the edges of the Euro-US-American society.

Safety always was and still is a thinly spread privilege. Who is safe when and where? And who feels safe? Critically looking at #stayhome sermons and the dominant discourse around COVID-19 that seems to take as a given that the now feels threatening while the past was safe, is on the one hand comprehensible, as the new situation is challenging for everyone, but is also a testimony of who shapes that discourse and which realities are not taken into account. Who has access to a safe home? Who has access to a home at all? Who has the choice to not go to work? Who moved in a safe world before COVID-19? Who is haunted by the timeless horror of traumatic experience – also in their home? Who must experience new forms of trauma in their home, perhaps even more in times of quarantine? 

 

It is a matter of fact that every day for most of the time a person is less safe than she or he pretends to be. There are a million (possible) threats in every day for everyone. For some people these threats are greater than for others, or of a different quality. Living in a war zone holds more life and health-threatening factors than living in a peaceful place, being old contains different threats of everyday life than being young, BIPoC are potentially threatened by racism (among the other factors of the usual everyday threats), most women* are living with the perpetual threat of (sexual) violence and different threats intersect in one life. Still, most of us tend to refuse constant awareness of danger during every second of life, simply because we need and want to master our lives, our daily routine. If one starts to face all threats that occur during a day, life may become one of a different colour and the world a hostile place to live in. Fear may take over and a person may become panicky, paranoid, desperate. When fear takes over it may become hard or impossible to handle everyday duties, not to mention enjoying one’s life.

-Lea Rebecca Minow

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